Lortzing-Club

Geschichte

Der Lortzing-Club in Berlin-Lichtenrade blickt auf eine bewegte Geschichte zurück, die eng mit den politischen und gesellschaftlichen Veränderungen Deutschlands im 20. Jahrhundert verknüpft ist.

1937 erwarb Hertha Bartel zwei Parzellen in der Lortzingstraße 16-18, um dort ein repräsentatives Wohnhaus für ihre Familie zu errichten. Ihr Ehemann, Paul Bartel, war leitender Ingenieur bei der nationalsozialistischen Organisation Todt und verantwortlich für den Autobahnbau. Das von Architekt Heinrich Sander entworfene Gebäude wurde zwischen Juli 1938 und Frühjahr 1939 fertiggestellt und verfügte über luxuriöse Ausstattungen wie eine Doppelgarage, ein großes Schwimmbecken im Garten und einen Luftschutzkeller mit doppelter Gasschleuse.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Haus von der sowjetischen Besatzungsmacht beschlagnahmt und in einen Kinder- und Jugendclub umgewandelt, um der notleidenden Jugend Beschäftigung und Unterstützung zu bieten. In dieser Zeit hielt die spätere Malerin Ruth Baumgarte dort Mal- und Zeichenunterricht für Kinder ab.

Mit dem Einzug der amerikanischen Truppen in Lichtenrade im Sommer 1945 wurde das Gebäude in ein Offizierskasino umgewandelt. Angesichts der Notwendigkeit, der deutschen Jugend positive Freizeitmöglichkeiten zu bieten, initiierte die US-Armee das "German Youth Activities" (GYA) Programm. Am 1. April 1948 eröffnete im Gebäude ein Jugendclub, der nach dem Vorbild des Zehlendorfer GYA-Clubs gestaltet wurde. Eine besondere Attraktion war das vorhandene Schwimmbecken, in dem viele Kinder das Schwimmen erlernten. Bemerkenswert ist die Episode des Alligators "Swampy", der zwischen 1951 und 1952 im Schwimmbad lebte und später in den Berliner Zoo überführt wurde.

1953 übergaben die Amerikaner das Gebäude an das Berliner Jugendamt. Allerdings stellte sich heraus, dass die Familie Bartel nie offiziell enteignet worden war, sodass das Jugendamt Mietzahlungen leisten musste. 1959 bot die Familie Bartel dem Jugendamt den Kauf des Hauses an, was nach einigen Verhandlungen und der Berücksichtigung von Anwohnerbedenken schließlich 1960 zum Erwerb des Gebäudes durch den Bezirk führte.

Seitdem dient das Haus als Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtung und wird heute vom Nachbarschafts- und Selbsthilfezentrum in der UFA-Fabrik e.V. (NuSz e.V.) betrieben. Der Lortzing-Club bietet Kindern und Jugendlichen zwischen sechs und achtzehn Jahren vielfältige Freizeitmöglichkeiten und pädagogische Betreuung. .

Die bewegte Geschichte des Lortzing-Clubs spiegelt die wechselvollen Zeiten Berlins wider und macht das Gebäude zu einem bedeutenden Zeugnis der lokalen Geschichte.

Quellen und weiterführende Links

 


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